Die Bietigheim-Bissinger Albvereinsgruppe hatte Glück mit den Wetterbedingungen: War es die vergangenen und auch die nachfolgenden Tage stets regnerisch, bedeckt und kühl, kündigte sich an diesem Wandersamstag Sonnenschein, blauer Himmel und Wärme an. Zügig gelangte die Gruppe mit der Bahn von Bietigheim über Ludwigsburg nach Erdmannhausen und schritt von dort frohgemut los.
Zuerst ging es über noch leicht feuchte Wiesenwege durch die Auenlandschaft der Murr. Nach Querung der Murr über eine versteckte Brücke wurde schon Kirchberg erreicht. Hinter dem Ort verlief nun ein asphaltierter Weg immer in Sichtweite der Murr. Das Murrtal ist in diesem Abschnitt stark eingeschnitten und von bewaldeten Hängen umgeben. Starkes Vogelgezwitscher drang aus den grünenden Baumreihen und zusammen mit der strahlenden Sonne wurden die Albvereinler rasch in frühlingshafte Stimmung versetzt.
Hinter Burgstetten entfernte sich die Wandergruppe von der Murr, erklomm eine bewaldete Anhöhe und marschierte von dort über Streuobstwiesen und Felder weiter Richtung Osten. Am Horizont waren schon die imposant wirkenden Erhebungen des Murrhardter Walds zu erkennen und in der davorliegenden Senke das Ziel dieser Wandertour: Die Stadt Backnang.
Zunächst nimmt sich die Stadt mit ihren Werks- und Industriegebäuden in den Außenbezirken wenig einladend aus. Doch je weiter die Albvereinler in die Innenstadt vordrangen, umso ansprechender und fachwerkbewehrter wurden die Häuserfassaden. Es war Mittagszeit und die Wandergruppe begab sich zur Einkehr in ein Gasthaus in der Altstadt. Nachdem die Gruppe dort gut und reichlich verköstigt wurde, stand eine Stadtführung an. Für das Treffen mit der Führerin musste der Spitalhof aufgesucht und hierzu einige Stäffele überwunden werden. Mit vollem Bauch und einkehrender Sättigungsmüdigkeit war dies auch für geübte Wanderer eine kleine Herausforderung.
Der Spitalhof befindet sich auf dem Burgberg, der vermutlich auch den Stadtnamen mitbildete (Backnang wird aus dem Althochdeutschen hergeleitet und mit „Feld-“ bzw. „Wiesenhügel“ übersetzt.) Von der Führerin erfuhren die Albvereinler einiges über die wechselvolle Herrschaftsgeschichte der Stadt: Im Hochmittelalter übernahmen die Markgrafen von Baden die Regentschaft, begründeten ein Chorherrenstift und in der Folge wurde die Stiftskirche St. Pancratius erbaut, bevor sich im späten Mittelalter die Grafen von Württemberg als Herrscher installierten. Ein Rundgang durch die Stiftskirche, inklusive Sakristei und Krypta, entlang der Stadtmauer mit Blick auf die darunter liegenden früheren Bleichwiesen (Backnang war infolge des sich im 19. Jahrhunderts ansiedelnden lederverarbeitenden Gewerbes als bedeutende Gerberstadt bekannt), führte die Wandergruppe weiter auf den Stadtturm, der die Albvereinler für den Aufstieg mit einem beeindruckenden Panoramablick über die gesamte Stadt und das Umland entschädigte. Am Gänsebrunnen vor dem Rathaus wurden die Wanderer von der Führerin mit der Geschichte über den sich im 17. Jahrhundert zugetragenen Backnanger Gänsekrieg und seine durch die Backnanger Frauen initiierte Beendigung schließlich entlassen.
Ein letzter kurzer Fußmarsch und die Gruppe hatte den Bahnhof erreicht, von wo sie die S-Bahn zurück nach Bietigheim brachte.
